Über uns

Michael

An dieser Stelle möchte ich nun endlich mal ein Wort des Dankes los werden an all die tapferen Männer und Frauen, die mit viel Leidenschaft und Hingabe tagein, tagaus an unseren Steuergesetzen tüfteln (echte deutsche Wertarbeit!). Ohne diese wäre es vielleicht nie soweit gekommen, dass ich mich freiwillig in die Gefahr begebe, mir auf solch einer Tour den Hintern zu ruinieren.

Ich hatte bereits einige Jahre in einer Steuerberatungskanzlei gearbeitet und eigentlich vor, selbst Steuerberater zu werden. Doch der Frust über die immer verrückter werdenden Gesetze ließ mich allmählich zweifeln: „Willst Du WIRKLICH für den Rest Deines Lebens über solchen Paragraphen brüten?" Wie praktisch, dass ich zur gleichen Zeit von etwas ganz anderem träumte.

Meine Urlaube hatte ich oft mit Rad und Zelt verbracht, schon als Kind Geschichten und Filme über Entdeckungsreisen verschlungen, und irgendwann kamen dann noch Bücher und Dia-Vorträge über Langzeitradreisen, Kanufahrten und Blockhüttenleben in Kanada dazu. Aus der Faszination für solch ein ganz anderes, abenteuerliches Leben war allmählich eine Sehnsucht geworden, so etwas mal selbst zu erleben.

Doch da meldeten sich zunächst jede Menge Bedenken wie "Kannst Du Dir das überhaupt leisten?" "Wie soll es nach der Rückkehr weitergehen?" "Wirst Du wieder einen g'scheiten Job finden?" Diese machten mir die Entscheidung, tatsächlich loszuziehen zunächst recht schwer. Dann habe ich mir aber doch einen Tritt verpasst und es einfach gewagt: "Jetzt oder nie – egal wie's danach weitergeht. Sonst kommst Du ja nie weg!"

Nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit ging's im Sommer 1998 los. In 9 Monaten mit dem Rad von Sibirien nach Afrika - so war der Plan. Doch irgendwo unterwegs entschied ich mich, links statt rechts abzubiegen, landete in Neuseeland statt in Äthiopien und war am Ende 1 ½ Jahre unterwegs. Und es war die genialste Zeit meines Lebens.

Ich hatte das Gefühl, unendlich frei zu sein: Frei von den Zwängen und Routinen des normalen Lebens, konnte auf die innere Uhr statt auf den Wecker hören, total spontan sein ("Fahre ich heute nach Osten oder Westen – oder bleib ich noch?"), mich treiben und zufällige Ereignisse darüber entscheiden lassen, wie und wohin es weitergeht. Wusste morgens nicht, wo ich abends sein würde und war jeden Tag aufs Neue gespannt auf das, was ich erleben würde. Ich war neugierig auf all diese fremden Länder, deren Menschen, Kulturen und Landschaften und brauchte nur der eigenen Nase zu folgen, um sie zu entdecken.

       

Das Fahrrad ist – für mich zumindest - wie dafür geschaffen: Unabhängig von den Fahrplänen und Routen anderer Verkehrsmittel kommt man aus eigener Kraft fast überall hin (selbst am Mount Everest und im grönländischen Eis wurden Radler schon gesichtet...), kann das Tempo selbst bestimmen, anhalten, wann und wo man möchte, nach Belieben die Route ändern - und man landet früher oder später in Gegenden, in die sich scheinbar noch nie ein Tourist verirrt hat. Hautnah ist man an allem dran, hat weder Blech noch Fensterscheibe zwischen sich und den Menschen, der Natur und dem Wetter. 

Ich freue mich auf dieses einfache Vagabunden-Leben, darauf, mit dem Wenigen eines auf ein Rad, ein Zelt und ein paar Satteltaschen minimierten Haushalts auszukommen, die Schönheit der Natur zu genießen - genauso wie mit Rüttelpisten, der Rush-Hour von Millionenstädten und endlos sich hinziehenden Bergetappen den Körper und die Sinne zu strapazieren. Auf die Begegnungen am Straßenrand, die wärmende Tasse Tee an einem eisigen Tag, das Glücksgefühl, eine Passhöhe "erkämpft" zu haben und deren grandiose Aussicht zu genießen, abends erschöpft aber zufrieden und glücklich in den Schlafsack zu kriechen. Und darauf, Dinge zu erleben und kennenzulernen, die ich mir jetzt überhaupt noch nicht vorstellen kann.

      

Und Afrika? ... war für mich zunächst der dunkle, unbekannte, sogar etwas unheimliche Kontinent. Doch je mehr ich darüber las und hörte, umso bunter, vielfältiger und interessanter wurde er. Natürlich bekam ich auch all die Warnungen vor Krankheiten, Giftschlangen und Banditen zu hören. Doch beruhigenderweise zumeist von Menschen, die selbst noch nie dort waren ;-). 

Richard Dowden schrieb in The Independant: "Die meisten derer, die sich mit dieser Leidenschaft für Afrika infizieren, bekommen sie dadurch, dass sie dort leben, mit Afrikanern arbeiten, tanzen und lachen oder in diesen unendlich weiten Landschaften reisen. Es ist wie mit einer Sucht: Wer noch nie dort war, kann es nicht verstehen. Wer aber daran "leidet", kann nicht geheilt werden." Angesteckt bin ich noch nicht, deswegen jedoch umso mehr gespannt, wie's mir ergehen wird...

Dass ich wieder losziehen kann, dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Denn leider hat nicht jeder die Möglichkeit oder den Mut, sich seinen Traum zu verwirklichen. Aber vielleicht animiert das Stöbern auf unserer Homepage ja den einen oder anderen, es zu wagen. Sei es nun quer durch die Welt zu radeln, einen alten Bauernhof zu restaurieren und sich selbst zu versorgen, in Südfrankreich eine nette kleine Pension aufzumachen oder was auch immer. Ich würde mich jedenfalls freuen :-)

Und jetzt:

         Ab in den Sattel!