Reiseberichte


  Oesterreich

Bei Nachbars

19. August – 14. September 2007   ||   Oesterreich


Ja servus! 

Auch dieser Grenzuebertritt hatte wenig Aufregendes, auch wenn wir dieses Mal wenigstens unsere Paesse zuecken und vorzeigen durften. Tja, da waeren wir also mal wieder in heimatlichen Sprachgefilden unterwegs, man weiss wieder, welcher Laden sich hinter welcher Tuer verbirgt, der Einkauf wird nicht zur Ueberraschung aus der Wundertuete und man kann sich wieder ganz normal mit allen Leuten unterhalten. Denkste!!

Abgesehen davon, dass der oesterreichische Dialekt (besonders fuer norddeutsche Ohren) teilweise kaum noch als deutsch zu erkennen ist, gibt es auch im Supermarkt so einige Ausdruecke, an die man sich erst einmal gewoehnen muss: dass Topfen Quark ist und Kirschen hier Weichseln heissen: o.k., aber warum steht auf dem gemischten Hack, das hier allerdings Faschiertes heisst, dass man das Fleisch nicht in der Tasse erhitzen soll? Des Raetsels Loesung: die Plastikverpackung heisst hier Tasse. Klar, wie sonst?!?

Hier nimmt man's ganz genau... 

Ausserdem haben die Oesterreicher einen Hang zur Genauigkeit, der einfach herrlich ist. Kurz vor Linz fanden wir ein Schild, dass eine Hoechstgeschwindigkeit von 70 km/h fuer die naechsten 2.047m vorschrieb. Wir dachten, wir haetten uns im Vorbeifahren verguckt, aber kurz darauf (naemlich genau 200m spaeter), kamen wir am nachsten Hinweisschild vorbei: 70 km/h fuer 1.847m. Auch die Ampeln sind etwas genauer als bei uns: sie zeigen jeweils einen Radfahrer, der abgestiegen ist und einen, der auf dem Fahrrad sitzt. Schoen fanden wir auch die Hinweise zum Park- bzw. Halteverbot (bis man die gelesen und mit Kalender und Uhr abgeglichen hat, ist aus dem Halten schnell mal Parken geworden) und die jeweils maennliche und weibliche Anrede auf vielen Verkehrsschildern. Nicht, dass so eine RadfahrerIN denkt, sie duerfe nicht in die Strasse fahren, in die ihr maennlicher Kollege gerade hineinradelt.

  

Auch ansonsten war der Wechsel in unser letztes Euroland sehr angenehm und startete nach ein paar weiteren Metern bergan mit einer langen Talfahrt; einmal ging es 8 (in Worten acht) Kilometer ausschliesslich bergab, noch dazu auf einer super ausgebauten Strasse, einfach herrlich!! Nach diesem gelungenen Einstieg erwartete uns jedoch erst einmal eine unruhige Nacht: ein Gewitter war aufgezogen und so sassen wir da wie junge Haeschen in der Kuhle, zitterten und duckten uns und legten die Ohren an, als die Blitze rings um uns herum einschlugen. Normalerweise ist unser Zelt ja ein heimeliger Ort, aber in diesen Stunden haetten wir gerne etwas mehr als drei Alustangen und hauchduenne Polyesterbahnen um uns herum gehabt.

Multikulti 

In Linz hatten wir uns bei Martyna und Fernando, einem polnisch-portugiesischen Paar angemeldet, die wir wieder einmal ueber den Hospitality Club ausfindig gemacht hatten. Die Beiden standen zwar selbst kurz vor der Abreise zu einer grossen Asienreise, liessen es sich aber nicht nehmen, uns als Gaeste zu beherbergen, da sie selbst eventuell mit dem Fahrrad durch Suedamerika reisen und sich ein paar Tipps holen wollten. Wir verbrachten die Tage mit Besichtigungen in der Linzer Innenstadt und auf dem Poestlingberg, auf den man mit der “steilsten Adhaesionsbahn der Welt” gelangt, genossen Linzer Torte und die Abende mit unseren Gastgebern. RICHTIG international wurde es dann, als Martyna ihre mongolische Kollegin mitbrachte und wir alle zusammen bei Spaghetti Bolognese sassen und ein paar mongolische Vokabeln, Sitten und Gebraeuche lernten.

Martyna und Fernando lieben Gesellschaftsspiele, und so wurden wir an zwei Abenden zu Ligretto-Opfern. Das ist ein sehr schnelles (und sehr amuesantes) Kartenspiel, in dem die Beiden - insbesondere Fernando - einfach unfassbar schnell sind, so dass wir keine echte Chance hatten. Aber es war wirklich lustig, und wir haben nebenbei eine ganze Menge ueber das Leben in Polen und Portugal gelernt – der Hospitality Club hat sich also wieder Mal als eine gute Moeglichkeit, andere Menschen und Laender kennenzulernen, bewaehrt - auch, wenn es sich dieses Mal nicht um das besuchte Land handelte. Bevor wir die Zwei nun aber auch noch am Abflugtag von der Abreise abhalten konnten, zogen wir weiter an der Donau entlang.

Hier war es schoen flach, mit Ausnahme der Wachau, doch um dieses nette Weinbaugebiet mit seinen kleinen Doerfchen zu erkunden, lohnte sich auch ein wenig Strampelei. Und schon erwartete uns das naechste Raetsel: an jeder Ecke gab es „Sturm” zu kaufen. Was mag das nun wieder sein? Hmm, vielleicht sowas wie riesige Windbeutel? Da steht „0,5l”?? Um genau zu sein: es ist der truebe Traubenmost nach Einsetzen der Gaerung. Gut, das waere auch geklaert, also weiter nach Wien. Auf dem Weg dorthin lagen so schoene Orte wie Melk mit seinem Benediktinerkloster, und wir hatten sogar das Glueck, ein Plaetzchen mit Blick auf den Stift Melk zu ergattern: direkt zwischen Sportplatz und Donau.

 

Der naechste Tag wurde unser bisheriger Rekord-Radeltag mit 100 zurueckgelegten Kilometern, denn wir waren am darauffolgenden Tag mittags in Wien verabredet, und bis dahin war es noch ein ganzes Stueck. Die Strecke war herrlich, es ging direkt an der Donau entlang, die Sonne strahlte, und wir kamen bestens voran. Bis Tulln. Dort war naemlich grosses Sommerfest und ganz Tulln war auf den Beinen, um dorthin zu gelangen bzw. sass bereits auf einer Behelfstribuene und lauschte den Klaengen einer oesterreichischen Band, die auf einer schwimmenden Buehne spielte. Das Problem war nur, dass der Donauradweg die Tribuene in zwei Haelften teilte und dementsprechend nicht befahrbar war. So brauchten wir ewig um durch den Ort zu kommen, und dabei hatten wir es doch ausnahmsweise mal eilig!

Auf Donauwellen zur Mozartkugel 

Deswegen hiess es am naechsten Morgen: Morgenstund hat Gold im Mund. Puenktlich zum Mittagessen trudelten wir also bei Simon, Michas Ex-Kollegen, bei dem wir ein paar Tage blieben, ein. Wir erkundeten Wien und nutzen die Moeglichkeit, mal wieder Waesche in der Maschine zu waschen und zu trocknen, ein paar Ausruestungsteile zu ergaenzen und das erste Update unserer Homepage vorzunehmen. Leider ist das mit mehreren Tagen Arbeit verbunden, so dass es die neuen Berichte auch weiterhin nur sporadisch zu lesen geben wird. Nach einigen Tagen zogen wir schliesslich auf den Campingplatz Wien West um, da wir uebers Wochenende Besuch von Michael, einem Freund von Micha, erwarteten.

  

  

Zusammen schauten wir uns weitere Sehenswuerdigkeiten Wiens an, u.a. die Hofburg, den Stephansdom, Schloss Schoenbrunn und den Kahlenberg, und nutzten schliesslich die Gelegenheit, einen Direktkurier nach Hause zu haben, um ein paar nicht benoetigte Ausruestungsteile und Heimatpost loszuwerden (danke nochmal!!). Kaum war er wieder Richtung Deutschland abgereist, kam Zahir, ein anderer Freund Michas, der in Wien lebt, aus dem Urlaub. Die folgenden Abende verbrachten wir mit ihm.

  

  

  

Land unter 

Und dann kam der grosse Regen, der unseren Campingplatz und halb Oesterreich unter Wasser setzte. 52 Stunden Regen ohne Unterbrechung, dazu um uns herum eine Horde von 60 wild gewordenen Uruguayern in undichten Zelten. Was fuer ein Spektakel! Dann brauchten wir noch ein paar Ersatzteile fuer die Raeder. Diese waren jedoch in keinem Laden aufzutreiben und mussten bestellt werden. Als sie dann irgendwann endlich kamen, waren sie nicht vollstaendig, und ausserdem passten sie nicht auf Anhieb und mussten erst vom Fahrradladen bearbeitet werden. So hatte sich unser Wien-Aufenthalt von ein paar Tagen auf gut 3 Wochen ausgedehnt, und wir waren froh, als der Regen aufhoerte und wir endlich weiterfahren konnten.

 

Zwar waren noch lange nicht alle Wege wieder befahrbar, aber es gab entsprechende Umleitungen, und wir waren so blauaeugig, diesen zu folgen. Gluecklicherweise gab es aber auch hier mal wieder einen rettenden Engel in Gestalt eines Mountainbikers, der uns entgegenkam und uns mit den Worten „Falsch, hier seid Ihr falsch!” den Weg versperrte. Die Schilder, denen wir gefolgt waren, fuehrten naemlich in die Irre, da sie sich teilweise widersprachen, so dass man im Endeffekt in mehreren Schleifen durch einen Wald fuhr. Der Wiener, der uns nun vor dieser Irrfahrt bewahrte, meinte, er habe gerade Zeit, da koennte er uns auch rasch ueber einen Schleichweg durch den Wald und zurueck auf unsere Route fuehren. Und weil es grad so nett war, fuhr er gleich 12 Kilometer mit, um dann das ganze Stueck wieder zurueckzuradeln. Von anderen Donauradweglern erfuhren wir spaeter, dass sie 3-4 Stunden fluchend durch den Wald geirrt seien, waehrend wir ca. 20 Minuten gebraucht haben. Glueck gehabt!!

Alle Wege fuehren nach...? 

Nachdem wir auch diese kleinen Hindernisse erfolgreich gemeistert bzw. umgangen hatten, stand unserer Fahrt nach Bratislava, zur slowakischen Grenze, eigentlich nichts mehr im Wege. Eigentlich, denn direkt an der Grenze gab es genau vier Schilder, die fuer Radfahrer nach Bratislava in Frage kamen, alle in verschiedene Richtungen. Zwei davon endeten auf Feldwegen im Nichts, einer direkt auf der Fahrspur fuer LKW, die weiter hinten anscheinend zur Autobahn wurde und einer ging ueber diese Spur hinweg. Das schien uns der vielversprechendste zu sein, schliesslich wollten wir nicht auf der Autobahn nach Bratislava hineinradeln. Wir fuhren also noch eine Weile durch Oesterreich, denn auch dieser Weg war definitiv nicht der Richtige. Dafuer fuehrte er ueber eine wenig befahrene und landschaftlich schoene Strecke, und so beschlossen wir, ihm einfach zu folgen, egal, wo wir rauskommen – und wenn wir an der ungarischen Grenze landen wuerden. Und ob wir das taten oder doch noch irgendwie in die Slowakei gelangten, erfahrt Ihr in unserem naechsten Bericht :-).




Neben vielen anderen Dingen hatten wir uns fuer die Reise auch vorgenommen, irgendwo mal das Melken zu lernen. In der Wachau fanden wir dann endlich eine geduldige Kuh - doch leider funktionierte sie nicht richtig. Aber zumindest wussten wir danach, wie es zum Milchsee der EU kommt...


     

     

Hier steht mal wieder ein völlig unsinniger Satz, der

nur dazu da ist, den Content-Bereich künstlich zu vergrößern, damit die Tabellen alles schön in die Mitte rücken können - so, ich denke, das sollte reichen.